Zahlenstand: 2026. Quellenabgleich: 10. September 2026.
Die Miete läuft weiter. Der Kredit auch. Nur das Gehalt kommt irgendwann nicht mehr wie gewohnt. Wer PKV und GKV vergleicht, sollte deshalb eine Frage mitrechnen: Wie finanziere ich meinen Alltag, wenn ich mehrere Monate nicht arbeiten kann?
Bei Angestellten überbrückt zunächst in der Regel der Arbeitgeber die Krankheit. Danach unterscheiden sich gesetzliche und private Absicherung deutlich. Ein günstiger Monatsbeitrag allein beantwortet diese Frage noch nicht.
Was passiert nach sechs Wochen Krankheit?
Arbeitnehmer haben bei unverschuldeter krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich Anspruch auf bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung. Der gesetzliche Anspruch entsteht normalerweise nach vier Wochen ununterbrochener Beschäftigung. Wiederholte Erkrankungen und günstigere arbeits- oder tarifvertragliche Regelungen können den Ablauf verändern. Maßgeblich ist deshalb der tatsächliche Anspruch, nicht nur der Blick auf den Kalender. Quelle: § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz
Für den üblichen Fall einer durchgehenden Erkrankung gilt anschließend:
| Absicherung | Was ersetzt das Einkommen? | Was du prüfen solltest |
|---|---|---|
| GKV mit Krankengeldanspruch | Gesetzliches Krankengeld | Höhe nach Abzügen und verbleibende Haushaltslücke |
| PKV | Vereinbartes Krankentagegeld, soweit versichert und die Voraussetzungen erfüllt sind | Tagessatz, Leistungsbeginn und weiterlaufende Beiträge |
| Selbstständigkeit | Je nach gewählter Absicherung gesetzliches Krankengeld, Wahltarif oder privates Krankentagegeld | Besteht überhaupt ein Anspruch, und wie lange reichen Rücklagen? |
Krankengeld und Krankentagegeld haben damit einen ähnlichen Zweck, beruhen aber auf unterschiedlichen Regeln. Die Grundlagen der GKV-Leistung erklärt das BMG; zum privaten Schutz informiert das Serviceportal des PKV-Verbandes.
Wie hoch ist das Krankengeld 2026?
Für Beschäftigte beträgt das gesetzliche Krankengeld grundsätzlich 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoarbeitsentgelts, höchstens 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts. Das berücksichtigte Brutto ist begrenzt: Die Beitragsbemessungsgrenze liegt 2026 bei 5.812,50 Euro monatlich. Quelle: BMG – Krankengeld
Der daraus folgende kalendertägliche Höchstbetrag beträgt 2026 135,63 Euro vor den einschlägigen Sozialversicherungsabzügen. Einmalzahlungen können die individuelle Berechnung beeinflussen. Die Krankenkasse berechnet den konkreten Anspruch. Quelle: AOK – Krankengeld
Beispiel: 4.500 Euro brutto, 2.900 Euro netto
Wir nehmen ein gleichbleibendes monatliches Gehalt ohne Einmalzahlungen an. Das Netto von 2.900 Euro ist eine Beispielannahme, keine Steuerberechnung.
| Rechenschritt | Betrag pro Monat |
|---|---|
| Bisheriges Netto | 2.900 Euro |
| 70 Prozent von 4.500 Euro brutto | 3.150 Euro |
| 90 Prozent von 2.900 Euro netto | 2.610 Euro |
| Maßgeblicher niedrigerer Betrag, vor weiteren Abzügen | 2.610 Euro |
| Abstand zum bisherigen Netto, bereits vor weiteren Abzügen | 290 Euro |
2.900 Euro netto – was bleibt bei Krankheit?
Bisheriges Netto: 2.900 Euro
Krankengeld vor weiteren Abzügen: 2.610 Euro
Das sind noch keine 2.610 Euro auf dem Konto. Vom Krankengeld werden gegebenenfalls Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen. Die tatsächliche Lücke ist dann größer. Eine pauschale Nettoauszahlung wäre ohne die persönlichen Beitragsmerkmale irreführend. Quelle: BKK Freudenberg – Krankengeld
Die Beispielrechnung zeigt vor allem: Plane mit der voraussichtlichen Auszahlung, nicht mit dem beworbenen Prozentsatz.
Welche Beiträge laufen weiter?
In der GKV ist das Krankengeld selbst beitragsfrei in der Krankenversicherung. Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche sonstigen Einnahmen ebenfalls beitragsfrei werden. Bei freiwilliger Versicherung können beispielsweise weiterhin vorhandene beitragspflichtige Einnahmen relevant bleiben. Die gesetzliche Befreiung bezieht sich auf die in § 224 genannten Leistungen. Quelle: § 224 SGB V
In der PKV solltest du dagegen den weiterlaufenden Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag in deine Haushaltsplanung aufnehmen. Mit dem Ende der Entgeltfortzahlung entfällt normalerweise auch der laufende Arbeitgeberzuschuss. Prüfe mögliche Sondervereinbarungen und tarifliche Beitragsbefreiungen. Für die Bedarfsplanung ist deshalb der künftig selbst zu tragende Gesamtbetrag entscheidend. Quellen: § 257 SGB V, Württembergische – Bedarfsberechnung für Privatversicherte
Wie viel privates Krankentagegeld brauchst du?
Starte bei deinen Ausgaben. Addiere Lebenshaltung, Wohnen, Kredite, weiterlaufende Versicherungsbeiträge und die Vorsorge, die du während einer Krankheit fortführen möchtest. Ziehe verlässlich verfügbare andere Einnahmen ab.
Ein rein hypothetisches Budget könnte so aussehen:
| Bedarf | Monatlich |
|---|---|
| Wohnen, Lebenshaltung und sonstige feste Ausgaben | 2.200 Euro |
| Weiterlaufende Kranken- und Pflegeversicherung einschließlich benötigter Zusatzbausteine | 800 Euro |
| Geplante weitere Vorsorge | 300 Euro |
| Verbleibender Bedarf ohne andere Einnahmen | 3.300 Euro |
| Rechnerischer Tagesbedarf bei 30 Tagen | 110 Euro |
Die 110 Euro sind eine Orientierung für das Beratungsgespräch, keine Zusage, dass dieser Betrag versicherbar ist. Der zulässige Tagessatz hängt unter anderem vom nachweisbaren Einkommen und den Tarifbedingungen ab. Vermeide außerdem Doppelzählungen: Wer von einem bereits um Versicherungen bereinigten Haushaltsbetrag ausgeht, muss anders rechnen als jemand, der sein Gehaltsnetto verwendet. Zum Berechnungsansatz: Württembergische
Drei Vertragsdetails verdienen besondere Aufmerksamkeit
- Leistungsbeginn: Für Angestellte ist häufig der 43. Tag vereinbart. Er muss zum tatsächlichen Ende der Entgeltfortzahlung passen.
- Einkommensänderungen: Nach Gehaltserhöhungen, Teilzeit oder Berufswechsel kann eine Anpassung notwendig sein. Fristen für Erhöhungen ohne neue Gesundheitsprüfung sind tarifabhängig.
- Leistungsende: Krankentagegeld ist kein allgemeiner Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsabsicherung. Prüfe besonders die Bedingungen bei Berufsunfähigkeit und stufenweiser Wiedereingliederung.
Quellen: PKV-Serviceportal, Musterbedingungen MB/KT. Die Musterbedingungen sind unverbindliche Empfehlungen; maßgeblich ist dein Vertrag. Für Sozialtarife wie den Basistarif gelten besondere Regelungen.
Was gilt für Selbstständige?
Hauptberuflich Selbstständige sollten nicht voraussetzen, dass ihre GKV-Mitgliedschaft automatisch Krankengeld einschließt. Über eine Wahlerklärung können sie den gesetzlichen Anspruch ab der siebten Woche absichern; dafür gilt der allgemeine Beitragssatz. Daneben gibt es Krankengeldwahltarife der Kassen. Quelle: BMG – Krankengeldtarife für Selbstständige
2026 beträgt der allgemeine Beitragssatz 14,6 Prozent, der ermäßigte Satz ohne Krankengeldanspruch 14,0 Prozent; hinzu kommt jeweils der Zusatzbeitrag. Quelle: BMG – Beiträge
Für deine Planung sind zwei Zeiträume relevant: die Tage bis zum Leistungsbeginn und die anschließende längere Erkrankung. Prüfe betriebliche Fixkosten gesondert – dein persönlicher Lebensunterhalt und die Finanzierung deines Betriebs sind unterschiedliche Bedarfe.
Wie lange trägt die Absicherung?
Das gesetzliche Krankengeld ist wegen derselben Krankheit grundsätzlich auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren begrenzt. Anzurechnende Zeiten, etwa die übliche Entgeltfortzahlung, zählen mit; es folgen also normalerweise nicht nochmals 78 Wochen Auszahlung nach den ersten sechs Wochen. Quelle: § 48 SGB V
Bei privatem Krankentagegeld bestimmen Vertragsbedingungen und Versicherungsfähigkeit die Leistung. Eine fehlende allgemeine 78-Wochen-Grenze bedeutet keine Zahlungsgarantie bis zur Rente. Beispielsweise können Berufsunfähigkeit oder das Ende der Versicherungsfähigkeit den Anspruch beenden. Quelle: MB/KT, insbesondere § 15
Dein nächster Schritt: eine zweite Haushaltsrechnung
Lege neben deine normale Monatsplanung eine Rechnung für einen längeren Krankheitsfall:
- Bis wann zahlt dein Arbeitgeber – oder wie lange reichen deine Rücklagen?
- Welcher Betrag kommt danach voraussichtlich tatsächlich an?
- Welche Beiträge und Fixkosten musst du dann selbst tragen?
- Wie groß ist die Lücke, und womit möchtest du sie schließen?
Das Ergebnis gehört in den Vergleich von PKV und GKV. Nutze den Vergleichsrechner für die langfristigen Beitragsverläufe und prüfe den Einkommensausfall ergänzend. Die Methodik beschreibt ein Beitragsmodell; sie weist keine gesonderte Krankengeldberechnung aus.
Wer anschließend Tarife prüft, findet im Guide PKV auswählen den Einstieg. Eine tragfähige Entscheidung berücksichtigt sowohl die Behandlungskosten als auch das Geld, das während der Genesung zum Leben fehlt.

